Im Jahre 2003 kam das Erstlingswerk, Call of Duty, in die Läden und gehörte zu den ersten Spielen, die den 2ten Weltkrieg thematisierten. Schon damals stach besonders der Multiplayer heraus, die Singleplayerkampagne glich mehr einem kleinen Anhängsel, wenn auch sehr intensiv präsentiert.

4 Jahre später.
Den 2ten Weltkrieg bekommt man als Computerspiel inzwischen im Dutzend billiger hinterher geworfen. Ein kleiner Aufschrei der Freude ging durch die Foren, als bekannt wurde, dass die mittlerweile dritte Fortsetzung (Teil 3 Konsolenexklusiv) von Call of Duty statt ausgetretener Pfade in der Normandie, Nordafrika oder Deutschland neue betreten sollte, namentlich Russland, Mittlerer Osten oder Tschernobyl. Angesiedelt in der heutigen Zeit schlüpft man abwechselnd in die Rollen der Soldaten “Soap” Mac Tavish (SAS) und Sgt. Paul Jackson (USMC). Statt recht lose verbundenen Missionen bekommt man diesmal sogar eine Story serviert, welche einem (B-)Actionfilm gut zu Gesicht stehen könnte.
In Kürze: Russischer Waffenhändler verhilft im Mittlerem Osten zu einem Putsch, woraufhin die SAS eben diesen Waffenhändler jagt, während die Marines dieses, nicht nur entfernt, an Irak erinnernde Land vom neuen Diktator „befreien“ möchte.

Ich KRIEG dich!

Ganz schön mutiger Tobak, wie ich finde.
Während des Spielens wird man auch des Öfteren einen mittelschweren Kloß im Hals verspüren. Sei es, wenn man am Anfang des Spiels auf noch in den Kojen schlafende, feindliche Matrosen regelrecht hinrichtet, oder man später in einer Nachtmission von einer AC-130 aus feindliche Schergen tötet, welche man nur durch den Schwarzweiß Filter schemenhaft erkennt: Man hat öfters ein eher beklemmendes Gefühl. Besonders an einer Stelle, die ich aber nicht spoilern werde. Ihr werdet sie aber in Erinnerung behalten, das verspreche ich euch.

Aber gerade dieses beklemmende Gefühl, welches sich im Spielverlauf immer stärker aufbaut, macht die Kampagne in meinen Augen so gut. Mich hat es immer wieder zur Selbstreflektion angeregt, wodurch ich Call of Duty 4 – Modern Warfare als ein Antikriegsspiel, möglicherweise sogar als DAS Antikriegsspiel, bezeichnen möchte. Natürlich kommen auch immer wieder Abschnitte vor die einen eher an ein Moorhuhn in Edeloptik erinnern, aber Infinity Ward hat es meiner Meinung nach geschafft, die beklemmenden Momente überwiegen zu lassen.

Im Kontrast dazu stehen aber auf der XBox 360 die Erfolge, welche meiner Meinung nach sehr makaber sind. Diese gibt es u.a. für „einen verletzten Gegner niederstechen“ oder „5 Gegner hintereinander mit Kopfschuss töten“. Das passt irgendwie nicht zur ernsten Thematik und Präsentation; es untergräbt sie sogar eher. Was aber positiv ist: Sämtliche Erfolge lassen sich im Singleplayer frei schalten, keine „töte 10.000 Gegner Online“ Dinger (Gears of War, i´m looking at you …).

Beförderungen

Dies zur Kampagne, nun zum vielleicht Herzstück des Spiels: Der mumumumuMultiplayer Modus:
Der ist schlicht und ergreifend blendend, für mich DER Mehrspielermodus des Jahres 2007.Wie herausfordernd und motivierend doch so ein Modus sein kann, herrlich. Hier brauch man auch keine moralischen Konflikte schieben, hier ist man Shooter, hier darf mans sein. Allein die ganzen Waffen, die man frei schalten kann, die Zusätze, die man an so `ne Waffe schrauben darf (Granatenwerfer, Red Dot, Schalldämpfer etc.) oder die ganzen Perks (Zusatzattribute wie z.B. größere Ausdauer oder „Märtyrer“, wo man nach dem Tod noch eine scharfe Granate fallen lässt) halten einen bei der Stange.
Ich hab mich öfters erwischt, dass ich dachte: Oh, einen Rang nur noch und ich kann die und die Waffe oder das Perk benutzen. So sehr gefesselt war ich selten vom Multiplayer. Selbst der schon sehr gute MP Part von Halo 3 wird hier noch in die Schranken verwiesen, vielleicht nicht, was Umfang angeht, aber was die Motivation zum weiterspielen betrifft.

Wie diebisch mein Grinsen war, als ich den ersten durch ne Wand mit meiner AK 47 erwischt habe, oder der erste durch meine Märtyrer Granate fiel, hihi…
Durch die Killcam werden Dauercamper und Vollzeitsniper auch gezwungen, sich mal zu bewegen und die Stellung zu wechseln, was ich auch für sehr positiv halte, da mich solche Leute doch eher nerven.
Die Karten beinhalten hauptsächlich Häuserkampf in überschaubaren Arealen, wodurch Einnahmepunkte im Domination Modus teilweise schneller wechseln, als man „All your base are belong to us“ sagen kann.
Neueinsteiger sollten sich auch nicht abschrecken lassen, wenn alle anderen in der Lobby schon meilenweit entfernt im Rang erscheinen: Man steigt sehr schnell auf und ist flugs drin in der Materie. Man muß sich halt nur an die Karten gewöhnen.

Summasumarum:
Wer in seinem Leben auch nur einen Shooter gespielt hat und sich durch den unterhalten gefühlt hat, sollte einen Blick in CoD 4 werfen. Er oder sie bekommt eine sehr intensive Kampagne geboten, welche mit 7 Stunden leider etwas zu kurz geraten ist. Aber dafür wird euch der Multiplayer nicht mehr los lassen.

Wuha.

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