[ A pirate's life for me ] ->





Tales of Monkey Island: Season 1,
Telltale Games,
PC, Mac,
2010

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-> offizielle Homepage

Eine großartige Einleitung in das Piratenuniversum von Monkey Island spare ich mir an dieser Stelle. Entweder kennt man den aufstrebenden Nachwuchspiraten Guybrush Threepwood (ja, es Typpinsel ist ein geläufiger Vorname in der Karibik) noch von den PC-Adventures, oder man hat zumindest Pirates of the Caribbean gesehen und dadurch einen Einblick, womit man es in südlichen Gewässern so zu tun bekommt. Voodoopriesterinnen, Zombies, geschlechtsneutrale Meerjungpersonen und jede Menge sonstiger Seemansgarn.

Tales of Monkey Island ist in 5 Teilen erschienen und wer auch immer die Idee hatte, das Spiel auseinanderzuschnippeln, war definitv vom wilden Affen gebissen. Die sogenannten Episoden sind eigentlich Kapitel einer zusammenhängenden Geschichte, die auch so gespielt werden möchte. Wer sich einfach so einen Teil rauspickt wird sich trotz stimmungsvoller Einleitung spätesten ab Episode 3 nur noch fragen "Hä, wer sind diese Leute?". Wie es schon zuvor bei Sam & Max hat Telltame Games aber inzwischen eine Season 1 veröffentlicht, und die neuen Geschichten von der Affeninsel gibt es nun komplett zusammen mit Bonusmaterial in einer DVD-Box.

Guybrush Threepwood, mächtiger Pirat

Eine erneute Begegnung mit seinem Erzfeind, dem Geister-Zombie-Dämonenpiraten LeChuck, lässt unseren Serienhelden gestrandet auf Flotsam Island zurück. Dort gilt es erstmal eine von der Außenwelt abgeschnittene Piratenstadt zu erkunden, ein Schiff zu kapern und herauszufinden, ob sich Guybrushs "Plunderbunny" Elaine in Sicherheit befindet. Wie es manchmal so kommt, hat er kurz darauf mit der halben Karibik zu tun - darunter der amputationsfreudige französische Marquis de Singe, Piratenjägerin und Guybrush-Fangirl Morgan LeFlay und nicht zuletzt LeChuck selbst, den die unsachgemäße Verwendung eines Voodoo-Artefakts in einen Menschen mit zweifelhaften Absichten verwandelt hat.

Nach dem etwas verunglückten Vorgänger, der an einer verkorksten Steuerung litt und so Schwierigkeiten hatte, das gewisse Monkey-Island-Feeling einzufangen, sollte auch der verbittertste Fan zu dem Schluß kommen, dass Telltale Games den Adventureklassiker erfolgreich in das 21. Jahrhundert gerettet hat. Gesteuert werden die Tales mit einer Mischung aus Maus und Tastatur - das gewohnte Klicken in die Szene fällt weg, da der Spieler direkt die Kontrolle über die Spielfigur übernimmt. Wer zufällig, wie Guybrush in der ersten Episode, eine verfluchte Schwerthand hat, kann auch mit gehaltener Maustaste laufen, mit Tastatur klappt es aber um einiges besser.

Die Geschichte entfaltet sich langsam. Die ersten beiden Episoden sind zwar schon lustig und bieten solides Rätseldesign, insgesamt passiert aber so wenig kriegsentscheidendes, dass ich erst dachte, dieser Artikel würde sich nach dem Motto "wenig Ideen, aber liebevoll ausgeführt" lesen. Dann geht es aber mächtig los. Auf der Suche nach einem magischen Schwamm werden wir mitsamt Schiff von einem gigantischen Manati verschluckt, vom ehrenhaften Staatsanwalt Stan für unsere Verbrechen vor ein Piratengericht gestellt und müssen im letzten Kapitel sogar von den den Toten wiederauferstehen um die Karibik, wenn nicht sogar die ganze Welt, vor dem Untergang zu bewahren. Besonders das unerwartet düstere Finale hat mich nachhaltig beeindruckt. Humor zündet doch am besten, wenn eine Spur Ernst untergemischt wird.

Die einen sagen "kantig", ich bevorzuge "stilisiert"

Einen durchgehenden grafischen Stil hatte die Serie noch nie so wirklich - von den Pixelkünsten der Adventure-Urzeit über handgezeichnete Comicoptik hin zu den einfachen 3D-Modellen der PS2-Ära war schon alles dabei. Die aktuelle Interpretation ist wirklich schön anzusehen mit allerlei neckischen kleinen Animationen hier und da. Klar hätte es im Vergleich mit aktuellen Action-Blockbustern ein paar Polygone mehr sein dürfen. Dafür sitzen die auf dem Monitor aber auch alle perfekt und Zocker mit nicht ganz so schnellen PCs freuen sich über die flüssigen Bewegungen. Aufs Ohr gibts allerdings für alle Preisklassen etwas, das Spiel ist durchgehend hochklassig vertont, die Hauptcharaktere werden wieder von den bekannten Sprechern gegeben und die Themen sind von der Sorte Ohrwürmer, mit denen Morgens aufwacht und Abends ins Bett geht.

Man merkt an allen Ecken und Enden, wie sehr sich Telltale Games seit den spaßigen, aber spielerisch eher seichten, Sam & Max Episodenspielen weiterentwickelt hat. Also alle Landratten ab in den Laden oder zu Steam oder wo auch immer ihr bevorzugt eure Spielebeute abholt - Monkey Island ist zurück!

[ Verfasst von Michi am Mo, 12/27/2010 - 18:09 ]




[ -> mal ordentlich Senf hinzugeben! (o_O) ]

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