„X-Blades“ hat eine ganze Reihe von Fehlern und Unzulänglichkeiten, die selbst mit größter Mühe einfach nicht wegzudiskutieren sind. Das fängt bereits mit der Geschichte an, die es nur augenscheinlich gibt und mit armselig inszenierten Anime-Zwischensequenzen weder Sympathie für die Charaktere, noch Interesse an deren offenbar nicht vorhandenen Motivation weckt. Es geht weiter mit der uninspirierten Heavy Metal Schrägstrich Nu Metal Schrägstrich Dancefloor Schrägstrich aus den verlorenen, nicht mit Texten versehenen Gammel-Archiven von Linkin Park geklauten Musikstücken, die völlig unmotiviert in einer Zufallsreihenfolge im Hintergrund vor sich hindudeln. Bei dem Ich-trag-so-wenig-Kleidung-wie-möglich-Design des Hauptcharakters Ayumi würden sich selbst die abgebrütesten Hardcore-Animefans mit Hentai-Ambitionen nach zwei Sekunden Hinsehen in Grund und Boden fremdschämen. Es gibt an der Unverschämtheit angrenzendes Backtracking, welches das Spiel um ein ganzes Drittel streckt. Das Gameplay ist in etwa so abwechslungsreich wie die Jubliäumssendungen des Musikantenstadls auf Repeat, und das Thema „Variantenreichtum bei Umgebungsgrafiken“ ist bei der Entwicklung offenbar nur graue Theorie geblieben. Also warum um Himmels Willen sollte man dann „X-Blades“ trotzdem spielen? Die Antwort ist einfach:
Massenschlachten! Non-Stop Gegner wegbretzeln bis der Daumen blutet! Und wenn es soweit ist bis auf den Knochen weitermachen! „X-Blades“ ist das Hack`n Slay-Pendant zu „Serious Sam“ und sollte daher – und selbstverständlich auch wegen seiner Fehler – in kleinen Dosen serviert werden.

`n Löffelchen

Denn wenn wir ehrlich sind: Wenn in einem Actionspiel der gesamte Bildschirm mit Gegnern geflutet ist und man eine zeitlang einfach nur reinhalten muss, um mit einem einzigen Tastendruck direkt mal zehn Monster auf einmal über den Jordan zu schicken, dann ist das schon irgendwie geil. Da spielt es auch keine Rolle, ob die Kreaturen sowas wie Grips haben und intelligent agieren. Die Masse machts. Und in „X-Blade“ macht sie`s ordentlich.
Das Spiel ist im Prinzip wie ein Dungeon-Crawler aufgebaut und funktioniert im Ansatz auch so. Man betritt ein Areal, welches einer Arena gleicht und kommt erst in die nächste Sektion, wenn man alle dort befindlichen Monster neutralisiert hat. Die Arenen sind in ihrer Größe und daher auch im Gegnervolumen völlig mannigfaltig. Es gibt winzige Räume, wo nach einer Minute bereits Schluss ist; im Gegenzug aber auch riesige Höfe, wo man sich sicher gut zwanzig Minuten aufhalten kann, ohne auch nur eine Verschnaufpause zu haben. Manchmal gibt es auch so etwas wie Zwischen- und Bossgegner: Große, teils bildschirmfüllende Viecher, die man nicht einfach wegzimmern kann, sondern die einer besonderen Taktik bedürfen. Konkret: Der gezielte Einsatz von Magie ist gefragt. Ja, denn das modegeschmacklich verwirrte Mädel kann nicht nur mit Schwert und Pistole um sich wedeln, sondern kann auch auf ein umfassendes Sortiment von Zaubersprüchen und Extramoves zurückgreifen. Die Anzahl von insgesamt zwanzig solcher Möglichkeiten täuscht leider etwas, weil man im Grunde „nur“ vier Naturelemente beherrschen und deren Liebesgrüße man auf verschiedene Arten verteilen kann. Das reicht von einfachen Magiebällen (wie in Dragonball), bis hin zu herrlich überzogenen Supermoves, wo sich die Kleine zum Beispiel umhüllt von einem Energieball in die Luft schmeißt und dort einen Gegner in Windeseile zerschneidet (auch wie in Dragonball). Auch wenn sich die Animationen bei den Magieattacken wiederholen: Sie sind durch den Animestil ziemlich cool und effektvoll in Szene gesetzt. Obendrein macht es Spaß sich nach und nach aufzuleveln und Kombinationen auszuprobieren. Mit einem Eiszauber erstmal alle umliegenden Monster einzufrieren und dann mit einer Stampf-Erdbeben-Attacke die Eisfiguren zersplittern zu lassen war zum Beispiel einer meiner sadistischen Lieblinge.

und noch `n Löffelchen

„X-Blades“ zeichnet dieses unkomplizierte, eher Combo-arme Dauer-Hack`n Slay aus, aber es ist wirklich auch nicht mehr als das. Die zunächst unscheinbare Grafik zeigt bei den Massenschlachten ihre Muskeln und bombardiert uns mit hunderten gleichzeitigen Partikeleffekten, bewegten Objekten und optischen Filtern ohne Framerate-Einbrüche, während man klangtechnisch nach einer Zeit nichts anderes als die Schlachtgeräusche wahrnimmt. Das Spiel sieht also bei dem, was es kann, auch noch gut aus und ist entsprechend vertont – von der eingangs erwähnten Musik mal abgesehen. So nett die Kulisse des alten, verlassenen Tempels auch aussieht, so wenig abwechslungsreich ist sie aber auf Dauer, und ebenso wenig mannigfaltig ist das Spiel selbst. Am einzelnem Stück ist „X-Blades“ sogar gar nicht auszuhalten. Nach spätestens zwei Stunden war mein Hirn so weichge-hack-n-slayed, dass ich für den Rest des Tages vom Spiel die Fresse dick hatte. Deswegen hab ich`s mir immer in kleinen Portionen gegeben, und die waren trotz aller Mängel ziemlich schmackhaft. Aber man soll ja von so Schlemmersachen wie deftigem Fleischsalat sowieso nicht sofort alles und zuviel futtern, sonst grummelt der Magen.

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