Oh, was werde ich moppern in den nächsten Zeilen…

Damit ihr wisst, woher ich komme bei diesem Bericht: Kennt ihr diese Art von Filmen, die ihr schon zwar schon zichfach gesehen habt, ihr euch aber immer noch an euer erstes Mal erinnern könnt?
So ein Film ist für mich Aliens. Ich war 13, musste mein Bein hochlegen, weil mir kurz vorher die Kniescheibe raus- und wieder reingerutscht war. Ich weiß noch, an welcher Stelle ich mich so erschreckt habe, dass mir mein Knie derbe weh tat.
Dementsprechend erfreut war ich bei der ersten Ankündigung von Aliens: Colonial Marines.
Klar, es gab schon andere Spiele, um in die Haut eines Marines im Alien Universum zu schlüpfen, aber noch nie die Möglichkeit, direkt in die Fußstapfen von Private Vasquez, Corporal Hicks oder Sergeant Apone zu treten und das auf dem Planeten LV-426.

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WAS SOLLTE NUR SCHIEF GEHEN KÖNNEN?

Nun, 6 Jahre später muss ich leider sagen: Leider gefühlt so ziemlich alles.

Fangen wir beim offensichtlichsten an, auch wenn ich nicht wie ne Grafikhure klingen möchte, aber: Die Grafik ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Damit meine ich nicht, dass sie ein Jahr hinterher hinkt, ne ich meine damit, dass ich mich teilweise an Half-Life erinnert gefühlt habe. Animationen, Texturen, Mimik, Feuereffekte, Regenschlieren – alles für die Katz und teilweise schon irgendwie ekelig. Manchmal habe ich mich auch an die Zeiten von attackierenden 2D Sprites erinnert gefühlt, wenn mal wieder Aliens auf mich zukamen. Strunzdumm natürlich, sich in der Umgebung verhakend oder komplett an mir vorbei laufend.
Gleiches Recht für alle, dachten sich u.a. Gearbox und TimeGate Studios und spendierten den A.I. Marines auch 0 Hirn.
Doch warum dabei stehen bleiben? Fügen wir noch ein paar unnütze Gameplayelemente ein: Die Aliens kommen nur in nem Drittel des Spiels als Gegner vor. Die restliche Zeit der 10 Level (+ einem Bosskampf, der sich als Level tarnt) ballert man die tumbe Privatarmee von Weyland-Yutani über den Haufen. So richtig „cool“, mit Red Dot und Schalldämpfer an der M41A Pulse Rifle.

Colonial of Duty

Red Dot. Schalldämpfer. An der M41A Pulse Rifle, vielleicht DER Sci-Fi Waffe, neben dem Lichtschwert, mit dem höchsten Wiedererkennungswert. Das muss nicht vercallofdutysiert werden.
Wenigstens klingt es richtig gut, wie alles im Spiel. Nur etwas komisch, dass es selbst bei Dauerfeuer so klingt, als ob man kurze, kontrollierte Feuerstöße abgibt.
Positiv ist auch die Beleuchtung. Weitestgehend. Ich kam aber zum Beispiel mal an eine Kreuzung, schön atmosphärisches Flackerlicht von Links, ich musste aber nach Rechts.
Am Ende des Ganges betrachtete ich nochmal die Wand musste feststellen, dass echt vieles im Licht einen Schatten warf – nur meine Spielerfigur nicht. Echt schöner Schimmer, leider nur so beweglich, wie das Nordlicht.
Wenigstens wurde Hadley´s Hope gut umgesetzt. Fans des Films werden einiges wiedererkennen.

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Hadley´s Hope left?

Ach man, das Spiele hätte echt so gut werden können. Davon zeugen Kleinigkeiten, wie dass man immer noch fast alle Türen öffnen und schließen kann. Zusammen mit dem Schneidbrenner kann ich mir gut vorstellen, dass da mal Sachen geplant waren, wie sich abschotten und verbarrikadieren vor einer lauernden Alienhorde. Der Motiontracker, im fertigen Spiel nur schmuckes Beiwerk, hätte auch einen höheren Stellenwert dadurch erhalten.
Der Trailer, der vor circa einem Jahr gezeigt wurde und sich schamlos Gameplay Trailer schimpfte, entpuppt sich nun als Scharade, als ein „was wäre, wenn sich jemand vernünftig um das Spiel gekümmert hätte“ Filmchen.
Stattdessen wird einem eine zusammengestrickte Patchwork Softwaredecke präsentiert, der es an allen Ecken und Enden an elementaren Dingen fehlt und bei der am Ende nur ein 08/15 Call Of Duty Klon  bei raus kam, wo nur ein Levelabschnitt wahrlich überzeugt.
Ironischerweise der, wo man ohne Waffe rumläuft. Dort schafft es das Spiel, eine klasse Atmosphäre zu erzeugen, eine, in der man sich „seines Lebens“ nicht sicher ist.

Noch ne kleine Anekdote vom Zocken:
Später läuft man (natürlich) noch einer Alienkönigin übern Weg. Da das Spiel zu dem Zeitpunkt noch nicht wollte, dass man gewinnt, wollte ich die Zeit (man befindet sich auf der Flucht) innerhalb eines Containers überbrücken. Falsch gedacht, die Königin erwischte mich doch.
Komischerweise setzte mich das Spiel nicht am letzten Kontrollpunkt ab, sondern am folgenden.
Selten so einen merkwürdigen Glitch erlebt.

Brennpunkt LV-426

Doch, um Ehrlich zu sein…das alles hat mir gar nicht so die Laune verdorben. Viel mehr war es die Story. Schön häufiger habe ich die Phrase gehört, that someone raped someone elses Childhood.
Bisher konnte ich sowas nicht nachvollziehen. Doch dieses…Spiel…hat mich eines besseren gelehrt.
Wie die Geschichte von Aliens (Alien³) mit Füßen getreten wird, das ist echt unglaublich. Im weiteren Verlauf kommt ein Charakter aus den Filmen wieder, der einfach nur Tod sein kann (filmisch gesprochen). Es geht einfach nicht anders. Dieser Charakter wird sogar gefragt und darauf aufmerksam gemacht, eigentlich nicht mehr atmen zu dürfen.
Die lapidare Antwort: Das ist eine lange Geschichte.
In dem Moment hätte ich beinahe mit einem lauten FICK DICH geantwortet.

Dass Hadley´s Hope eigentlich gar nicht mehr stehen dürfte, lasse ich mal unkommentiert. Auch, wie am Anfang noch großspurig erzählt wird, dass die Sulaco nicht hier sein dürfte, man aber der Sache auf den Grund gehen würde, bleibt ohne Auflösung.
Inzwischen schieben sich jetzt Entwickler und Publisher munter die schwarzen Peter zu. Gearbox hätte das Geld von Sega in Borderlands 2 gesteckt, die Assets von TimeGate waren angeblich unbrauchbar, man hätte das Spiel quasi in 9 Monaten fertig stellen müssen bli, bla, blub – ein Armutszeugnis für alle Beteiligten.

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Aliens: Colonial Marines ist für mich die größte Enttäuschung dieser Konsolengeneration. Kein Spiel…aber auch kein Film, kein Buch, kein Lied, keine Keynote, keine Serie hat mich so desillusioniert und wütend zurückgelassen.

Auch ne Leistung.

Summary
Review Date
Reviewed Item
Aliens: Colonial Marines
Author Rating
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Aliens - Colonial Marines
Gearbox' Interpretation des zweiten Alien-Films ist in vielerlei Hinsicht eine Frechheit. Weder ergibt das Spiel im Kontext der Filme Sinn, noch ist es für sich gesehen ein konsistentes Produkt. Es ist eine schlampige Arbeit, die Fans ins Gesicht schlägt und von allen anderen höchstens ausgelacht wird. Ein Armutszeugnis.
2Gesamtwertung